Transatlantik-Segeltörn – letzte Vorbereitungen

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Roaring Forty UrlaubsmodusRoaring Forty Heck BewuchsVöllig unbeeindruckt von den Ereignissen der letzten Monate streckt sie uns ihren breiten Hintern entgegen. Entspannt liegt sie da, unsere Roaring Forty. Und sieht gar nicht mal so schlecht aus. 
Wir hatten mit einem viel stärkeren Bewuchs gerechnet und mit kaputtem Tauwerk. Aber wir haben Glück –  das Wetter spielt auch hier verrückt und die Regenzeit hat viel früher angefangen. Der Himmel ist relativ oft wolkenverhangen und das ganze Schiff wird häufig von Regenschauern gewaschen. 

 

Bordleben in den Tropen

Fischer auf Rio ParaibaInnen sieht es dann schon anders aus. Man sollte in den Tropen auf Blech und Aluminiumdosen verzichten. Funktioniert nicht. Alles gammelt extrem schnell vor sich hin und ich entsorge fleißig. Das nächste Mal investiere ich mächtig in Tupperware. Nach Urlaub sieht es hier erst einmal nicht aus. Alles was innen gestaut ist, kommt nach draußen und wird aussortiert, oder abgewaschen und wieder einsortiert. Die Wände und Böden müssen gewaschen und, für mein Wohlgefühl, desinfiziert werden. Ich scheine überhaupt von Jan´s Infektion traumatisiert zu sein und hantiere mit antibakteriellen Feuchtigkeitstüchern und Sprays wie nie zuvor. Dazu kommt, dass sich die Mücken schon nach einigen Stunden auf mich gestürzt haben und ich mindestens 30 Mückenstiche zähle, die mich in den Wahnsinn jucken. Jetzt bloß nicht kratzen!

 

Bordapotheke

BordapothekeDas Trauma führt jedenfalls zu einer üppigen Bordapotheke, die ich inzwischen auf 4 Behälter verteilen muss. Für jeden Behälter habe ich den Inhalt akribisch aufgelistet, und wie viel davon. Zu den verschiedenen Schmerzmitteln habe ich Stichpunkte geschrieben, gegen welche Beschwerden sie genommen werden sollen. Antibiotika haben wir ebenfalls reichlich, sogar 2 unterschiedliche. 

 

Gepäck

Wir sind von Hamburg mit fly TAP über Lissabon geflogen, was vom Preis-Leistungsverhältnis vollkommen in Ordnung war. Wir haben es tatsächlich geschafft, uns an den Gepäckregeln zu halten und ich habe nichts vergessen 🙂 DHL hat uns im Stich gelassen und eine Rolle mit Segeltuch für Reparaturen ist abhanden gekommen. Zum zweiten Mal in 5 Jahren verschwindet ein Paket spurlos!
BR2 bei Segelbekleidung-mietenDafür wurde mir ein Paket von Segelbekleidung-mieten.de unverzüglich zugestellt (nicht mit DHL) und jetzt bin ich Offshore-mäßig ausgestattet. Die Jungs machen nicht nur aus e-Commerce-Sicht einen perfekten Job. Der ganze Miet-Vorgang ist super klar erklärt und die Abwicklung gut vorbereitet, so dass der gestresste Kunde überhaupt nicht nachdenken, sondern einfach den Anweisungen befolgen muss. Der Karton mit Klappdeckel ist für den Rückversand mit Klebestreifen und Retoure-Aufkleber vorbereitet.

 

Sicherheitsausrüstung und Bordtechnik

In Januar hatte Jan schon Christoph Lapawa vom TransOcean-Stützpunkt kennengelernt, der uns jetzt freundlicherweise für die Ankunft kalte Bierchen und Kekse besorgt hat. Er wird uns bei diversen technischen Aufgaben helfen und das Segel reparieren. Die Sicherheitsausrüstung, die unter Deck verstaut war, kommt wieder nach oben und ich bin ganz ehrlich: ich lese mir jede Anleitung noch einmal durch und übe notwendige Handgriffe wie ein Segelschüler. Zum Beispiel müssen beim Rettungskragen zuerst der Clip unten und der Treibanker gelöst werden, logisch, aber besser ich kann das mit geschlossenen Augen, denn an Bord ist keiner der mich korrigieren kann. Dann die Rettungsinsel: Habe ich schon mal geübt, aber wie war das noch mal?
Stück für Stück werden wir uns diese Woche noch durch die Bordtechnik und ihren Zustand arbeiten und ich finde 2 Wochen Vorbereitungszeit nun doch knapp. Es ist unmöglich in dieser Hitze wie gewohnt zu arbeiten, wenn das Thermometer um 10 Uhr morgens schon auf 30°C steigt.

 

Das Rigg und das Bein

WantenspannerWie bereits erwähnt liegt die Roaring Forty nicht nur wegen der Entzündung an Jan´s Bein hier in Jacaré, sondern letztendlich wegen eines losen Intermediates. Gleich zwei Tage nach der Ankunft kletterte Jan auf die erste Saling, um sich den Wantenspanner anzusehen und neu anzuziehen. Die Wantenspanner sind die gleichen wie unten in den Püttingen an Deck und die Sicherung gibt uns Rätsel auf. Die untere Kappe scheint zwar die Funktion einer Sicherung zu haben, aber auch wenn sie sich mit der Nut in die Nase des Spanners fixieren lässt, dreht sie sich trotzdem und die Wantenspannung lockert sich. Kann es sein, dass der kleine Gummiring in der Kappe das verhindern sollte und jetzt abgenutzt ist? Wir haben hier nun zu Dritt (mit einem Maschinenbauer) gerätselt, aber dass dieses Want sich gelöst hat, ist für uns technisch nicht nachvollziehbar. Dafür wurde hier Jan´s Bein gerettet und das ist doch auch schon mal was.

Nachher werden wir meinen Geburtstag feiern und mit einem Mietwagen die Umgebung erkunden. Sonntag gehen die Vorbereitungen wieder weiter und die Fortsetzung folgt …

 

Transatlantik-Segeltörn – letzte Vorbereitungen
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